Projekte

The Kohaut Project

Aufbruch zu einer neuen Klangforschung

The Kohaut Project ist der erste Schritt in eine umfassende künstlerische und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einem bislang weitgehend unerforschten Repertoire: der Kammermusik mit obligater Laute.

Den Ausgangspunkt bildet die intensive Beschäftigung mit den Trios von Karl Kohaut (1726–1784) – einem der letzten großen Lautenisten Wiens und einer Schlüsselfigur am Übergang vom Barock zur Wiener Klassik.

Kohauts Werke stehen exemplarisch für eine faszinierende Gattung, die lange Zeit im Schatten der klassischen Kammermusiktradition stand: die Kombination von Laute, Violine (oder Viola) und Violoncello. Diese Besetzung war im 18. Jahrhundert Teil einer Wiener Musiktradition, die sich zwischen höfischer Repräsentation, galantem Stil und dem aufkommenden bürgerlichen Konzertwesen bewegte.

Der historische Rahmen

Seit dem frühen 18. Jahrhundert wurde die Laute in Wien nicht nur als Soloinstrument, sondern auch als gleichberechtigter Partner in der Kammermusik gepflegt. In den sogenannten „Lauthenconcerten“ verschmolz die obligate Lautenstimme mit Violine und Bass zu einem lebendigen Klanggewebe, das sowohl kontrapunktische Raffinesse als auch klangliche Experimentierfreude zeigte.

Diese Werke stellen einen wichtigen, bisher wenig beachteten Teil der europäischen Musikgeschichte dar und werfen zugleich ein neues Licht auf die Entwicklung des Kammermusikideals in Wien.

Kohaut als Ausgangspunkt

Karl Kohaut bildet im Rahmen von The Kohaut Project den Ausgangspunkt. Seine Trios verbinden die stilistische Vielfalt des galanten Zeitalters mit dem selbstbewussten Auftreten der Laute als Kammermusikpartnerin. Sie zeigen eine reife kammermusikalische Handschrift, die die Grenze zwischen Hofmusik und bürgerlichem Konzertwesen zu überschreiten beginnt.

Mit seiner Doppelrolle als Hofbeamter und Komponist verkörpert Kohaut das Bild des musikschaffenden „Dilettanten“ im besten Sinne – ein Musiker, der mit seinen Werken Maßstäbe für das Lautenspiel seiner Zeit setzte und zugleich in der Wiener Musiklandschaft fest verankert war.

Der Projektansatz

The Kohaut Project versteht sich als Forschungs- und Aufführungsinitiative, die

die musikalischen Quellen systematisch untersucht,

ihre stilistischen und historischen Zusammenhänge beleuchtet,

und ihre klangliche Umsetzung in der heutigen Aufführungspraxis erforscht.

Dabei bildet die enge Verknüpfung von wissenschaftlicher Arbeit und praktischer Interpretation das Herzstück des Projekts.

Ein Anfang mit Perspektive

The Kohaut Project versteht sich als Auftakt zu einer weiterführenden Beschäftigung mit der Kammermusik für obligate Laute — einer Gattung, die zwischen höfischer Repräsentation und bürgerlicher Musikkultur eine Brückenfunktion einnahm.

Diese erste Phase – die Auseinandersetzung mit den Werken Kohauts – soll zugleich die Basis für weitere Projekte schaffen, die sich anderen Komponisten, Quellen und Kontexten dieser besonderen Musikwelt widmen.

Das Projekt lädt dazu ein, gemeinsam mit Musiker*innen, Wissenschaftler*innen und Publikum Neuland zu betreten — auf der Suche nach einer Klangtradition, die lange Zeit vergessen war und nun neu entdeckt wird.