Über mich

Ich bin Cornelia Demmer – Lautenistin, Forscherin, sowie Gründerin und künstlerische Leiterin des Casulana Lute Consorts, eines rein weiblich besetzten Ensembles. Mit wissenschaftlicher Expertise und einem feinen Gespür für Bühnenwirksamkeit entwickle ich Projekte, die die Vielschichtigkeit der Laute und ihres Repertoires in den Mittelpunkt stellen.

Meine Vision

Frauen sind ein essenzieller Bestandteil unserer Gesellschaft – ohne uns geht es nicht. Doch aktuell erleben wir einen gesellschaftlichen Backlash: Errungenschaften, für die Frauen vor 60 Jahren gekämpft haben, werden wieder infrage gestellt. Frauenrechte sind fragil. Wir müssen wachsam bleiben, um sie zu bewahren.

Als Lautenistin ist es mir besonders wichtig ein Zeichen für mehr Sichtbarkeit von Frauen in unserer Nische der klassischen Musik zu setzen. Mit der Musik, die wir spielen, schaffen wir einen Raum, der einen Kontrapunkt zum Alltag darstellt und die Möglichkeit schafft, sich selbst wieder näherzukommen.

Die Verzauberung

Behutsam nahm ich die Laute in meine Hände – wie leicht sie doch war! Ich staunte über die wertvollen Hölzer und Schnitzereien, den Detailreichtum, die Kunstfertigkeit, die es wohl braucht um dieses Instrument zu bauen. Ich war 16 Jahre alt und lernte gerade ein Instrument kennen, von dem ich bis dahin nur eine vage Vorstellung hatte. Die Idee meiner Blockflötenlehrerin es doch mit Laute auszuprobieren und die Telefonnummer eines Lautenisten, führten mich in dieses wunderliche Zimmer voller Lauteninstrumente, die eines neben dem anderen an der Wand hingen. Die ersten Töne noch eher unbeholfen anschlagend spürte ich sofort, wie mich der Klang verzauberte. Die Laute lag an meinem Bauch an und ich fühlte die vibrierende Resonanz, subtil und vielschichtig, farbenreich und sanft und zu meiner Überraschung lauter als ich erwartet hätte. Dieser Moment war der Beginn einer tiefen Verbundenheit mit diesem Instrument.

Ich hatte meine Entscheidung getroffen: Ich werde Lautenistin!

Der unsichtbare rosarote Elefant

Gegen Ende meiner Studienzeit nahm ich an einer Diskussionsrunde teil, bei der es um konkrete Karriereentwürfe von Lautenist*innen und den Übergang vom Studium in den Beruf ging. 7 Männer und 1 Frau schilderten einer Gruppe von Studierenden ihren Werdegang und was für Erfahrungen sie zu dem damaligen Zeitpunkt machten – die Corona-Pandemie war gerade erst vorbei. Der Grundtenor waren Erzählungen von sich zufällig ergebenden Situationen und Ereignissen – die Karrieren entwickelten sich scheinbar ganz von selbst in eine prosperierende und erfolgreiche Richtung. Durchwegs entstand das Bild einer rein männlich geprägten Perspektive auf Karriere. Vollständig ausgeblendet wurden dabei die unsichtbaren Hürden mit denen Frauen konfrontiert sind, wie strukturelle Barrieren, das Imposter-Syndrom oder die fehlende Vereinbarkeit von künstlerischem Anspruch und Sorgearbeit. Während ich diesen Darstellungen zuhörte, wuchs mein innerlicher Unmut und ich hatte zunehmend das Gefühl der unsichtbare rosarote Elefant im Raum würde größer und größer. Vielleicht war er eben aber auch gar nicht für alle sichtbar?
In den Gesprächen nach dieser Diskussionsrunde war es für mich nicht verwunderlich zu bemerken, dass für viele anwesende Frauen so manches Fragezeichen stehenblieb. Damit ging auch ein Gefühl der Ohnmacht einher. Eine Ohnmacht die Herausforderungen, die sich in vielen alltäglichen Situationen manifestieren und trotzdem so schwer greifbar sind, zur Sprache bringen und männlichen Kollegen nachvollziehbar machen zu können. Ohne sich dabei exponiert, entblößt und klein zu fühlen und angreifbar zu machen.

Für mich stand fest: Es braucht vielfältigere Angebote und Rolemodels! Und vor allem: es braucht die Sichtbarkeit von Frauen – denn: es gibt sie! Sie sind erfolgreich, bewirken viel und erleben dabei eine ganz andere Realität von Karriereweg und Lebensplanung.

Die Leichtigkeit des Loslassens

Diese Erfahrung war eine Bestätigung für meinen eigenen Weg – ich habe gespürt: Ich mache das anders. Oft hörte ich ähnliche Erklärungen, wie man erfolgreich wird als Lautenist*in; mir wurden bestimmte Vorgehensweisen dringend angeraten. Glücklicherweise konnte ich auch weibliche Gegenentwürfe von Karriere kennenlernen. Zwei Dinge haben mich dabei zutiefst überzeugt: Erstens war es für diese Frauen immer klar, dass der künstlerische Ausdruck Teil des Lebens ist – identitäts- und sinnstiftend, und dabei eben doch nicht alles. Viele Aspekte sind wichtig um ein glückliches Leben führen zu können und das verkörpern diese Lautenistinnen durch ihre Wege. Der zweite Aspekt war etwas weniger offensichtlich: Sie blieben dabei in ihrer künstlerischen und persönlichen Entwicklung nicht stehen. Auch noch so prestigeträchtige Engagements verließen sie von sich aus und freiwillig – weil sie die Erfahrung gemacht hatten und ihre Aufmerksamkeit nun anderen Projekten widmen wollten. Dabei hörten sich ihre Begründungen beispielsweise so an: „Das habe ich lange genug gemacht. Das kenne ich jetzt schon.“ und „Das sollen die Jungen jetzt machen!“ Ein Satz, den ich mich nicht erinnern kann von einem männlichen Kollegen jemals gehört zu haben.

Diese Lebensmodelle waren ausschlaggebend mich für meinen eigenen selbstbestimmten und unabhängigen Weg zu entscheiden. Mit der Gründung meines eigenen, rein weiblichen Ensembles begann ich meine Karriere selbst in die Hand zu nehmen. Die Aufnahme meines ersten Albums mit Werken des Wiener Komponisten Karl Kohaut als Weltersteinspielung ist ein weiterer aufregender Schritt!

Musikfest Eichstätt:

Cornelia Demmer (…) sorgte mit ihrem ausdrucksstarken Spiel und ihrem klaren Phrasieren für den Zusammenhalt.

– Eichstätter Kurier –